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Warum „Den-Gürtel-enger-schnallen“ auch nach hinten losgehen kann

Die Corona-Krise beeinflusst die Finanzen der Unternehmen. Während Privatleute teilweise durch Kurzarbeiterlöhne oder staatliche Unterstützung eine Perspektive finden können, sieht die Lage für Unternehmen größtenteils anders aus. Wir sprechen über diese Finanzsituation – und beleuchten verschiedene Seiten der Möglichkeiten zur Krisenbewältigung.

Die finanzielle Situation von Unternehmen in der Krise

Je nach Unternehmensgröße, Branche oder aktuellem Stand können verschiedene Unternehmen unterschiedlich stark von der Corona-Krise beeinflusst sein. Während im Handel beispielsweise an vielen Stellen normal weitergearbeitet wird, fallen in der Industrie häufig Lieferanten weg, Kurzarbeit muss angemeldet werden und die Produktion steht. Im Dienstleistungssektor, beispielsweise im Tourismus oder der Veranstaltungsbranche, sind währenddessen seit Monaten keine Geschäfte möglich.

Die mangelnde Nachfrage setzt vielen Branchen also stark zu, weitere Entwicklungen sind unklar. Unternehmen, welche in den vergangenen, wirtschaftsstarken Perioden ihr Eigenkapital stärken konnten, profitieren jetzt von diesem Vorteil. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote in deutschen Unternehmen liegt aktuell bei etwa 30%. Jedoch können nicht alle Unternehmen sich mit diesem Faktor behelfen. Aufgrund des extrem erhöhten Liquiditätsbedarfs in der Corona-Zeit müssen Unternehmen Maßnahmen entwickeln, welche sowohl ihre Finanzen als auch ihre operativen Tätigkeiten dauerhaft sichern. Von der staatlichen Seite steht die Kurzarbeit als Maßnahme zur Verfügung, Mietkosten können teilweise gestundet werden – doch häufig reicht dies nicht ansatzweise aus. 

Auch sonstige staatliche Unterstützungen wie die Novemberhilfen waren besonders für Kleinunternehmer nicht ausreichend, um ihr Geschäft weiterhin betreiben zu können. Eine Befragung durch Ebner Stolz Management Consulting und Wolff & Häcker Finanzconsulting unter mittelständischen Unternehmen aus dem Sommer 2020 zeigte, dass 55% der befragten Unternehmen die negative finanzielle Lage als erheblich und sogar 37% als existenzbedrohend einstufen. Während für Kleinunternehmer dann die Schließung und Insolvenz droht, versuchen Mittelständler und Großunternehmer deshalb, deutlich zu Sparen – also „Den Gürtel enger zu schnallen“. Inwiefern dies helfen kann, wo es jedoch auch zu Problemen führen kann, erklären wir Ihnen jetzt.

Die Möglichkeiten zur Einsparung

Um ein großes Loch in der Kasse, ausgelöst durch Corona, weitestgehend zu verhindern, kommen einige Möglichkeiten in Frage.

  • Nutzung staatlicher Angebote: Kurzarbeit oder mögliche Steuerstundungen können genutzt werden, um die kurzfristige Liquidität zu erhalten. Informieren Sie sich gut über alle Möglichkeiten, und lassen Sie sich im Zweifelsfall beraten. Denken Sie jedoch daran, dass die Mühlen der Bürokratie langsam mahlen – eine sehr schnelle Umsetzung der staatlichen Hilfen ist nicht unbedingt zu erwarten. Planen Sie dies stets mit ein.
  • Interner Effizienzzuwachs: Mithilfe von Prozessmanagement- und Change-Management-Methoden können aktive Geschäftsprozesse effizienter und damit günstiger gestaltet werden. Ein gutes Beispiel ist hierbei das Prozessmanagement einer Produktion nach den Prinzipien des Lean Management: hierbei werden Prozessabläufe auf Verschwendungen untersucht. Diese können sowohl Ressourcen als auch personelle oder monetäre Aufwendungen betreffen. Werden solche Verschwendungen ausgemerzt, spart dies Geld. Ähnliches passiert beim allgemeinen Prozessmanagement, bei welchem Prozessabläufe verschlankt und optimiert werden können. Das spart Zeit – und Zeit ist Geld – und kann gleichzeitig zu weniger Personalaufwand bei gleichem oder höherem Output führen.
  • Verhandlungen: Auch bei der Verhandlung mit Lieferanten und Kunden können kurzfristig Maßnahmen getroffen werden. Sprechen Sie mit Ihren Lieferanten über Stundungen, und fragen Sie Stammkunden nach Anzahlungen – soweit Ihre Kunden- oder Lieferantenbeziehung dies zulässt.
  • Gut differenzieren: In Krisenzeiten sollten vor allem Ausgaben minimiert werden, welche nicht zentral sind und nicht zum Erfolg oder der Strategie des Unternehmens beitragen. Man sollte also an den richtigen Stellen einsparen. Dies kann eine Geschäftsreise sein, die sich auch per Skype erledigen lässt, eine Betriebsfeier, eine Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter oder auch ein Budgettopf für Messen oder weitere Marketing-Maßnahmen, welche in der Corona-Krise nicht ihre reguläre Marketingwirkung entfalten können.

All diese Maßnahmen können zu sinnvollen Verbesserungen der Liquidität führen. Jedoch bestehen noch weitere Maßnahmen, welche von Unternehmen in Erwägung gezogen werden – diese sind jedoch nicht unbedingt zielführend. Welche Maßnahmen dies betrifft und warum Sie den Gürtel bei diesen NICHT enger schnallen sollten, erklären wir in den folgenden Absätzen.

Investitionen streichen – bitte nicht!

Wer nach den oben genannten Möglichkeiten spart, denkt vielleicht auch eine Minute länger nach, bevor er Investitionen tätigt. Das mag Sinn machen – natürlich müssen Investitionen in Krisenzeiten besonders gut überdacht werden. Sie jedoch ganz zu streichen, ist die schlechtmöglichste Lösung. Denn ohne Investitionen geht es nicht, besonders in der Zukunft. 

Investitionen stehen meist in engem Zusammenhang mit der Unternehmensstrategie. Dies kann eine Erweiterung der Produktion mit neuen Anlagen oder einer neuen Halle sein, oder auch das Besetzen einer neuen Stelle für zukunftsträchtige Tätigkeiten. Genauso kann in eine Unternehmensberatung investiert werden, oder in die Entwicklung eines neuen digitalisierten Tools, welches die Prozesse des Unternehmens in Zukunft verschlanken soll. 

Solche Investitionen sind jedoch keine Einbahnstraße, und bedeuten damit nicht nur hohe Kosten, sondern auch eine zukünftige Verbesserung des Stands des Unternehmens. Auch in Krisenzeiten sollten die Maßnahmen zur Verfolgung der Unternehmensstrategie durchgeführt werden, auch wenn sie gegebenenfalls auf aktuelle Situationen angepasst werden müssen. In der Krise muss zwar auch kurzfristig gedacht werden, doch im Falle von Investitionen sollte der langfristige Erfolg im Zentrum stehen. Wird dies nicht beachtet, läuft ein Unternehmen nämlich Gefahr, zukünftig seine Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren – und damit nicht nur aufgrund von Corona, sondern aufgrund eigener Fehler in eine dauerhafte Krise zu rutschen.

Personalabbau? Nein Danke!

Genau wie bei den Investitionen gilt hier: Personalabbau gefährdet die eigene Zukunft. Es mag zwar attraktiv klingen, einen derartigen Fixkostenfaktor wie die Personalkosten zu verringern, jedoch sind Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt rar. Genau dann, wenn die Wirtschaft wieder zum Aufschwung tendiert, werden alle Unternehmen wieder händeringend nach Personal suchen, und der Fachkräftemarkt wird dünn. Nur die größten und attraktivsten Arbeitgeber finden dann noch qualifiziertes Personal. Deshalb gilt es, das Personal eher zu binden, als zu vergraulen – und damit die eigene Fähigkeit, nach der Krise wieder volle Fahrt aufzunehmen, sicherzustellen. Ansonsten droht die eigene Lieferunfähigkeit aufgrund von reinem Personalmangel.

Sparen – aber richtig!

Treffen Sie also geschickte Maßnahmen und sparen Sie an den richtigen Stellen. Werden Sie effizienter und digitaler, anstatt Investitionen und Personal zu kürzen. Gerade in Zweifelsfällen, was Einsparungsmaßnahmen angeht, lohnt sich auch für Sie gegebenenfalls die Investition in eine Unternehmensberatung. Diese kann Ihnen sowohl bei der Planung als auch bei der Umsetzung Ihrer Maßnahmen helfen, die zur Erhaltung einer positiven finanziellen Situation führen sollen – und Ihnen bei der Kreation einer langfristigen und effektiven Krisenstrategie unter die Arme greifen.