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Karsten Treiber, Director Digital Finance bei targens GmbH, hat bereits viele Erfahrungen in der digitalen Transformation sammeln können. In unserem heutigen DRS Interview verrät er uns, was Digitalisierung für ihn bedeutet und warum er sich entschieden hat, im Bereich der Digitalisierung zu arbeiten.

Unternehmen: targens GmbH

Mitarbeiteranzahl: ca. 280

Interviewpartner: Karsten Treiber, Director Digital Finance bei targens GmbH

Jeder hat eine andere Vorstellung von Digitalisierung. Was bedeutet Digitalisierung für dich?

Ja, das ist auch nicht ganz so einfach. Ich glaube, wir haben unterschiedliche Phasen der Digitalisierung. Es fängt ja zunächst damit an, dass aus einem analogen Prozess im Unternehmen, ein digitaler und computergestützter Prozess wird.

Der nächste Schritt ist dann die Prozessanalyse und Prozessoptimierung. Dadurch werden sie schlanker und billiger, weil sie optimiert und automatisiert sind. Das Unternehmen selbst wird dadurch besser, produktiver und schneller. Das ist die erste Phase, wo auch bei uns im Unternehmen noch viel Nachholbedarf ist.

Wenn wir aber von der aktuellen Digitalisierungsphase sprechen, dann gehen wir eigentlich sogar noch einen Schritt weiter, nämlich die Digitalisierung über Unternehmensgrenzen hinweg. Das heißt, ich digitalisiere wirklich diese Wertschöpfungsketten oder Wertschöpfungsnetzwerke, wo ich ein Teil des Wertschöpfungsprozesses bin. Damit auch dort die Prozesse optimiert werden können und für alle ein deutlicher Mehrwert entsteht, muss ich über mein eigenes Unternehmen hinausgehen und diese Digitalisierungsthemen zusammenbringen. Das ist zumindest der Teil, an dem wir sehr sehr stark arbeiten.

Warum hast du dich entschieden, im Bereich der Digitalisierung zu arbeiten?

Also ich komme ursprünglich aus der Software Entwicklung und dann ging es über Projektleitung, Projektmanagement, Produktentwicklung und so weiter. Irgendwann bin ich an den Punkt gekommen, wo ich mich gefragt habe wie denn jetzt eigentlich die Zukunft aussehen wird? Was kommt da? 

Das war dann so die Zeit de Fintechs, die dann hochkam, vor allem in der Finanzindustrie, weil ich ja aus diesem Bereich auch tatsächlich kam. Da hat man dann sofort gemerkt, dass sich jetzt etwas verändert. Es fängt an, dass nicht mehr die klassischen Geschäftsmodelle relevant sind, sondern dass die sich verändern. Der Treiber für diese Veränderung ist tatsächlich die Digitalisierung, weil Dinge in Prozessen deutlich einfacher gehen. Das ist so mein Einstieg gewesen, dort mit zu wirken und Themen voranzubringen, die dann tatsächlich auch die Zukunft an der Stelle verändern. So bin ich dazu gekommen und seitdem hat mich das Thema natürlich sehr gefangen und ich treibe es auch sehr stark voran.

Mit welchen Tools arbeitest du im Alltag?

Ja, das ist tatsächlich unterschiedlich. Wir nutzen sehr stark die Tools, die vom Kunden bevorzugt werden. Vornehmlich versuchen wir natürlich Tools einzusetzen, die einen sehr kollaborativen Ansatz haben. Der Punkt ist, dass wir auch vor Corona sehr dezentral gearbeitet haben, und das haben wir jetzt natürlich auch stark ausgebaut. Das heißt, wir nutzen zum eine Vielzahl von Video Tools. Darüber hinaus aber auch Tools, um Ideen zu teilen und voranzubringen. Das hat sich tatsächlich geändert. Vor Corona konnte man sich trotzdem gerade für solche kreative Prozesse vor Ort treffen und das gemeinsam voranbringen. Ich glaube aber immernoch, dass das immer noch der einfachere Weg ist, wie man Dinge nach vorne bringen und Ideen entwickeln kann. Allerdings setzen wir hier jetzt auch Tools ein, die einen dabei unterstützen. Also das heißt Tools, mit denen ich Post-its platzieren kann, mit denen ich agil irgendwelche Boards verschieben kann. Da kommt es dann tatsächlich immer drauf an, mit wem ich momentan zusammenarbeite.

Das kann alles tatsächlich relativ einfach begonnen werden, weil gerade die aktuellen Tools, ja alle onlinefähig sind. Ich kann tatsächlich auch da schon grobe Ideen gemeinsam erarbeiten. Das sind Maßnahmen die, relativ schnell umsetzbar sind und wo ich auch gar nicht groß in irgendwelche neuen Tools investieren muss, sondern wo ich einfach mal beginnen muss.

 

Worauf sollten Unternehmen, die die digitale Transformation umsetzen wollen, besonders achten?

Also ich glaube, ein wesentlicher Punkt ist, dass Digitalisierung und digitale Transformation ja erst einmal kein Selbstzweck ist. Wir machen das ja alle aus einem bestimmten Grund und der Hauptgrund ist die Wettbewerbsfähigkeit, damit ich morgen auch noch im Business bin. Das muss einem immer klar sein. Also das sind Themen, die Geld kosten, das ist auch klar. Auf der anderen Seite macht man das, um in der Zukunft oder für die Zukunft gewappnet zu sein. So kann man sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, weil man Prozesse optimiert, weil man mit anderen interaktiver zusammenarbeitet oder enger gekoppelt zusammenarbeitet, weil man das Angebot anders an dem Markt platzieren kann und und und. Also da gibt’s eine Vielzahl von Gründen, die vor allem dieses Thema treiben und das muss man sich als allererstes bewusst werden. Also ich mache nicht Digitalisierung nur aus irgendeinem Grund, sondern, mir muss auch klar sein, warum ich digital transformieren will. Das ich Prozesse im eigenen Haus optimiere und dadurch kostengünstiger bin, ist ein Thema. Das ist das, an das jeder sofort denkt. Ich glaube vor allem, dass man dadurch wettbewerbsfähig bleibt und das hat nicht immer etwas mit dem Preis zu tun.

Das sollte man auch sehr stark im Auge behalten und darüber nachdenken, wenn man dieses Thema betreibt. Das ist die eine Seite. Das ist eher so die Business Betrachtung. 

Die andere Seite, die ich aber für mindestens genauso wichtig halte, ist, dass die Transformation im Grunde ein Veränderungsprozess ist. Ein wesentlicher Punkt sind natürlich auch die Mitarbeiter, die man im Unternehmen hat und für die ein Change halt eine große Veränderung gegebenenfalls mit sich bringt. Man muss die Mitarbeiter frühzeitig mitnehmen und versuchen, sie auf dem Weg dann auch zu begleiten. Das halte ich für eine sehr starke Herausforderung. Das eine ist es nämlich eine Technologie umzusetzen und zu implementieren und das andere gegen Widerstände im Unternehmen zu kämpfen, die so eine Veränderung mit sich bringt. Das darf man nicht vernachlässigen und man sollte frühzeitig damit beginnen, darüber bewusst zu sein, was da passiert.

Das alles sollte von den Führungskräften kommen und die Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter an der Stelle mitnehmen. Es hat sehr viel mit Aufklärung und das Nehmen von Ängsten zu tun. Was passiert, wenn sich der Prozess komplett ändert? Was hat es für Auswirkungen auf mich und meine Arbeit?

Was verstehst du unter Digital Leadership?

Es ist eine Disziplin in diesen Digitalisierungsthemen, anders auf die Mitarbeiter einzugehen. Es gibt ja viele solcher Führungsmethoden, die solche Themen voranbringen. Die geben mir ein gewisses Werkzeug an die Hand, um solche Veränderungsprozesse durchführen zu können. Die Frage ist dabei, ob ich das als Bedingung sehen würde, solche Prozesse zu führen. 

Ich glaube, dass eine gute Führungskraft mit viel Fingerspitzengefühl, solche Dinge tatsächlich auch verändern kann. Gerade solche neuen Methoden helfen mir einfach dabei, einen gewissen Werkzeugkasten an die Hand zu bekommen, um Dinge zu sehen. Es ist jetzt nicht so, dass ich nur das eine machen kann, wenn ich das andere nicht hab. Es hat einfach sehr viel mit dem zu tun, wie ich die Dinge angehe.

Welche Tipps hast du für Personen und Führungskräfte, die im Bereich der digitalen Transformation arbeiten?

Ein wesentlicher Punkt ist, dass man sehr stark auf sein Team achten und auch auf das Team hören muss, speziell das Team, das von dieser Veränderung betroffen ist. Wenn ich ein Team manage, dass digitale Veränderungen vorantreibt, dann muss ich meinem Team dieses Fingerspitzengefühl insofern mitgeben, weil sie ja tatsächlich jeden Tag an dieser Schnittstelle mit einem Kunden beispielsweise arbeiten. Dann muss das Team sehr gut über die Themen Bescheid wissen, die sie tatsächlich verändern und betreiben.

Das andere ist natürlich ein gewisses Grundverständnis über die Technologie. Ist das jetzt eine zwingende Voraussetzung? Jein. Wenn ich jetzt mal von Blockchain DLT komme, dann ist das eine Technologie, was auch den Business Case als solches verändert, wenn ich plötzlich dezentral denke. Das hab ich in meinem klassischen Business Case nur bedingt gemacht. Ich hatte genau einen Kunden im Fokus und jetzt hab ich praktisch ein dezentrales Netzwerk, indem diese Mechanik ein bisschen anders läuft, indem sehr viel kooperativer vorangegangen wird. Bosch hat ja diesen Begriff der “Coopetition” geprägt, wo man sagt, in manchen Dingen arbeiten wir sehr eng zusammen und treiben sie gemeinsam, weil es uns das allen was bringt. Eine Minute später drehen sich alle um und sagen, dass wir alle knallharte Mitbewerber sind und wir uns gegen den anderen behaupten müssen. 

Ich glaube, das sind die Dinge, die man da einfach im Gespür haben muss. Wenn man in diesem Umfeld arbeitet, ist das etwas, was man relativ schnell lernt und mitbekommt, weil es ganz anders funktioniert. Insofern weiß ich nicht, ob das jetzt ein wirklicher Tipp war, aber das ist etwas, wo ich sagen würde, dass das sehr wichtig ist.

Was sind deine Top 3 Gründe, warum mehr Unternehmen den Weg der digitalen Transformation gehen sollten?

Ich glaube eine Top 3 hab ich so gar nicht, dass ich sagen würde das sind die drei wichtigsten. Ich glaube, es kommt wirklich immer darauf an, wo sich die Firma tatsächlich befindet. Also wenn ich jetzt eine Firma bin, die sehr viele händische Prozesse aktuell noch hat, aber diese ständig wiederholt, dann lohnt sich der digitale Prozess. 

Wenn ich jetzt aber sage, ich habe jetzt ein Geschäft, wo es auf sehr viel Kundenkontakt kommt, dann macht Digitalisierung nur bedingt Sinn. Dann digitalisiert man nur die Prozesse, wo eine enge Zusammenarbeit herrscht. Ganz wichtig ist aber die Frage, was mich denn eigentlich ausmacht. Was ist denn mein Mehrwert und wie kann ich in Zukunft weiterhin mit anderen Wettbewerbern bestehen? Also das hat mit Digitalisierung eigentlich nichts zu tun, weil das ist immer die Kernfrage. Die Digitalisierung hilft mir nur dabei, mich weiterzuentwickeln und quasi auf dem aktuellen Stand zu bleiben, um die Themen einfach voranzubringen und morgen auch noch da zu sein.

Wie sehr ist die Kultur ein wichtiger Faktor bei der Digitalisierung?

Ich würde sagen, dass die Digitalisierung stark abhängig von der Kultur ist und zwar im Sinne von Datenschutz zum Beispiel. Ich glaube, das merkt man auch in Europa sehr stark. So gehen andere Länder viel einfacher und ohne Rückfragen mit digitalem Datenschutz um. Die Art und Weise, wie man mit diesen Themen umgeht ist eben kulturell bedingt. Das kann zu Wettbewerbsnachteilen führen, wenn man es zu sehr treibt und die Regulatorik zu stark ist.

Auf der anderen Seite schützt es natürlich auch sehr stark vor Dingen und das schwierige an der Stelle ist einfach dort das Gleichgewicht zu finden und die Themen dann trotzdem sauber vorantreiben zu können. Es sind auf alle Fälle immer wieder Hürden vorhanden, die wir da zu gehen haben, zumindest in den Projekten, in denen ich stark involviert bin.

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