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Joachim Hensch, CEO, Founder und Mentor bei Joachim Hensch Consulting und ehemaliger Managing Director bei HUGO BOSS, hat bereits viele Erfahrungen in der digitalen Transformation sammeln können. In unserem heutigen DRS Interview verrät er uns, seine Tipps für mehr Digitalisierung im Unternehmen und er erzählt was Digitalisierung eigentlich für ihn bedeutet.

Unternehmen: Joachim Hensch Consulting

Mitarbeiteranzahl: 1

Interviewpartner: Joachim Hensch, CEO, Founder und Mentor bei Joachim Hensch Consulting 

Unternehmen: HUGO BOSS

Mitarbeiteranzahl: 14600

Interviewpartner: Joachim Hensch, ehemaliger Managing Director bei HUGO BOSS

Hier findest du mehr zu Joachim:

Website: https://www.joachimhensch.com/

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/joachim-hensch-consulting/

Jeder hat eine andere Vorstellung von Digitalisierung. Was bedeutet Digitalisierung für dich?

Digitalisierung ist für mich eine digitale Kopie eines physischen Daseins. Man spricht ja auch vom digitalen Zwilling und über die Jahre hat die Digitalisierung immer mehr Einfluss auf den physischen Zwilling gehabt. Die Digitalisierung stellt uns also eine unglaubliche Menge an Informationen bereit, mit denen wir in der physischen Welt anders handeln werden. Es entwickelt sich sehr stark und schnell einen digitale Parallelwelt.

Wie genau sieht die Digitalisierung bei euch im Unternehmen aus? Arbeitet ihr nur digitalisiert oder auch noch analog?

Analog arbeite ich manchmal tatsächlich auch noch, wenn ich zum Beispiel für das Finanzamt Sachen ausdrucken und dahin bringen muss. Ansonsten habe ich bedingt durch die Krise die Unternehmenswelt verlassen und mich selbständig gemacht. Ich hatte von Anfang an die Idee, eine durch und durch digitale Firma aufzubauen und ich bin wirklich der einzige Mitarbeiter der Firma der physisch in Deutschland sitzt. Ansonsten habe ich Mitarbeiter in Indonesien, Portugal, Dubai, Türkei, Pakistan und Indien.

So wird jede Aufgabe konsequent digital angedacht und aufgebaut, sodass alle Prozesse im Unternehmen digital und automatisiert ablaufen. Als Berater für digitale Produkte muss ich das natürlich bei mir im Unternehmen selber vorleben.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich ein großer Fan von Post-Its bin. Das brauche ich einfach, wenn ich mal schnell einen Gedanken irgendwo aufschreiben muss. Danach übertrage ich das in die digitale Welt.

Mit welchen Tools arbeitest du im Alltag?

Da meine Firma digital ist und meine Kunden irgendwo auf der Welt, also nicht physisch sind, versuche ich möglichst so viel wie möglich digital abzubilden. Das betrifft zum Beispiel Rechnungswesen, Rechnungsstellung und LinkedIn Automatisierung. Heute habe ich zum Beispiel 4 Stunden Workshop mit einer Firma in der Türkei gehabt. Das war komplett virtuell und wurde auf miro.com gemacht. Das ist eine Kollaborationsplattform. Ich bin jemand, der gerne neue Sachen austestet. Wenn ich über neue Techniken in der Automatisierung lese, dann probier ich die erstmal aus und spiel bisschen damit rum. Wenn ich aber merke, dass es zu kompliziert wird, dann sortiere ich das aus und bin dann wieder raus.

Was sind aus deiner Sicht die größten Chancen, die sich aus der Digitalisierung ergeben?

Wenn ich das aus der Bekleidungsbranche betrachte, dann spielt das Thema Nachhaltigkeit natürlich eine große Rolle. Es wird viel zu viel Ware produziert, die dann nie einen Kunden findet. So werden bestimmt 15-20 Prozent aller Jeanshosen, die weltweit produziert werden, nie einem Kunden vorgestellt.

Wenn man also Informationen vom Kunden hätte und diese rückwärts auf die Supply Chain übertragen könnte, dann würde nur noch die Ware produziert werden, die tatsächlich nur noch gebraucht wird. Das ist ja das Prinzip von Industrie 4.0.

Ein weiterer Vorteil wäre das Thema Transparenz. Um nachhaltige Produkte schaffen zu können, muss erst durch Transparenz, die Produktionskette abgebildet werden können. Man muss also Daten nutzen, um Transparenz und letztendlich Nachhaltigkeit zu schaffen. Erst ein besserer Umgang mit Daten kann zu einer besseren Entscheidungsfähigkeit führen.

Worin liegen die größten Risiken, wenn ein Unternehmen die Digitalisierung verpasst?

Ein großes Risiko, wenn Unternehmen die Digitalisierung nicht nutzen, ist die fehlende Experimentierphase. Spielerisch und experimentell mit unbekannten Dingen umzugehen, ist ein wichtiges Thema. Es wird nicht genügend reingeschaut, ob die Investierung in die Digitalisierung wirklich Sinn machen.

Es leiten sich also 2 Risiken daraus ab. Auf der einen Seite gibt es die Leute, die keine digitalen Investments tätigen. Auf der anderen Seite gibt es die Leute, die zu statisch an das Thema Digitalisierung rangehen und nicht zum Erfolg kommen. Da die richtigen Weg zu finden, ist dann schon eine Herausforderung für sich.

Was ist der erste Schritt, um das Thema “Mehr Digitalisierung” in deinem Unternehmen voranzubringen?

Der allererste Schritt für mehr Digitalisierung im Unternehmen wäre es sich erstmal einen Plan zu machen. Es ist verblüffend, wie Menschen in der Lage sind, Strategien und Pläne für Marketing und Sales zu entwickeln, aber wenn es um Digitalisierung geht, denken sie würde nur eine Qualitätsmanagement-Software ausreichen. 

Die Firma oder die Organisation sollte sich erstmal ein großes Bild von der Gesamtsituation machen und sich dann fragen, welche Ziele man in den kommenden 5 Jahren erreichen möchte und welcher Teil davon digitalisiert werden soll. Dann sollte man zurückgehen und sich überlegen, wo die digitalen Investments und Trainings liegen sollten.

Wie würdest du den Stand der Digitalisierung in Deutschland bewerten?

Deutschland hat über die Corona-Krise extrem bei der Digitalisierung aufgeholt. Am Anfang waren natürlich viele Leute überfordert. Gerade diese Notwendigkeit hat uns nochmal aufgezeigt, wie weit wir als Land bei der Digitalisierung zurückliegen. Die Corona-Krise war also ein Beschleuniger für die digitale Transformation, weil die Leute gemerkt haben, dass es auch anders geht und man nur den Blickwinkel ändern muss.

Wenn ich aber an die Behörden denke oder an die Entwicklung der Corona-App, dann muss ich sagen, dass die Deutschen einen falschen Ansatz haben, wenn es um Digitalisierung geht. Der Ansatz, die Dinge erst in der Tiefe zu durchdenken und dann zu entwickeln, ist für Digitalisierung nicht gut. Man muss sich erlauben Experimente und auch Fehler zu machen, um dadurch Innovationen zu kreieren. Da müssen wir noch ein ganzes Stück dazu lernen.

Ich denke jeder hat jetzt verstanden, dass wir vielleicht doch ein Digital Ministerium benötigen, besser gesagt einrichten sollten und uns mehr mit Digitalisierung beschäftigen müssen. Wenn Amazon ein Zentrum in der Nähe von Tübingen aufbaut und da einige hundert Millionen in die Hand nimmt und investiert, dann zeigt das schon, dass die an unserem Intellekt glauben. Es zeigt eben auch, dass wir wahrscheinlich einen Schubs von außen brauchen.